Zahnimplantate ohne großen Eingriff: Was bedeutet minimalinvasive Implantologie?
von Julia Kreutzer
Der Gedanke an ein Zahnimplantat ist für viele Patienten zunächst mit einem größeren chirurgischen Eingriff verbunden. Zahnfleisch wird eröffnet, der Kieferknochen freigelegt und anschließend muss die Operationsstelle verheilen, so zumindest die verbreitete Vorstellung. Moderne implantologische Verfahren können unter geeigneten Voraussetzungen deutlich schonender durchgeführt werden. Bei der minimalinvasiven Implantologie besteht das Ziel darin, das Gewebe während des Eingriffs möglichst wenig zu belasten und dennoch eine sichere Positionierung des Implantats zu erreichen. Ob ein solches Vorgehen möglich ist, hängt allerdings immer von der individuellen Situation im Kiefer ab.
Was bedeutet minimalinvasiv bei einem Zahnimplantat?
Ein Zahnimplantat wird in den Kieferknochen eingebracht und übernimmt dort die Funktion einer künstlichen Zahnwurzel. Darauf kann später beispielsweise eine Krone befestigt werden. „Minimalinvasiv“ bedeutet dabei nicht, dass eine Implantation ganz ohne Eingriff erfolgt. Vielmehr geht es darum, den chirurgischen Zugang so klein und gewebeschonend wie möglich zu gestalten. Bei einer klassischen Implantation kann es notwendig sein, das Zahnfleisch über dem vorgesehenen Implantationsbereich zu öffnen, um den darunterliegenden Knochen sichtbar zu machen. Bei minimalinvasiven Verfahren kann unter bestimmten Voraussetzungen auf eine großflächige Eröffnung des Zahnfleisches verzichtet werden. Das kann die Belastung des umliegenden Gewebes reduzieren.
Wie funktioniert eine minimalinvasive Implantation?
Vor dem eigentlichen Eingriff steht eine sorgfältige Untersuchung und Planung. Dabei müssen unter anderem das vorhandene Knochenangebot, die Position der Nachbarzähne und die anatomischen Strukturen berücksichtigt werden. Sind die Voraussetzungen gegeben, kann das Implantat über einen kleinen Zugang durch das Zahnfleisch in den Kieferknochen eingebracht werden. Ziel ist es, möglichst wenig Gewebe zu beeinträchtigen. Unsere Praxis in Chemnitz arbeitet im Bereich der Implantologie auch mit minimalinvasiven Behandlungskonzepten. Welches Vorgehen sich im individuellen Fall eignet, wird nach Untersuchung und entsprechender Planung entschieden.
Welche Vorteile kann ein schonendes Vorgehen haben?
Wird das Zahnfleisch weniger umfangreich eröffnet, kann auch das operative Trauma geringer ausfallen. Das ist einer der wesentlichen Gedanken hinter minimalinvasiven Verfahren. Abhängig vom individuellen Eingriff können sich daraus Vorteile für die Heilungsphase ergeben. Beispielsweise kann eine geringere Manipulation des Weichgewebes mit weniger postoperativen Beschwerden einhergehen. Allerdings sollte „minimalinvasiv“ nicht mit „garantiert schmerzfrei“ oder „ohne Heilungszeit“ gleichgesetzt werden. Auch ein kleiner Eingriff bleibt ein chirurgischer Eingriff. Wie der Körper darauf reagiert und wie die Heilung verläuft, ist individuell unterschiedlich. Entscheidend ist deshalb nicht, einen Eingriff um jeden Preis möglichst klein zu halten, sondern das für die jeweilige Situation medizinisch geeignete Vorgehen zu wählen.
Was bedeutet MIMI-Implantologie?
Eine Form der minimalinvasiven Implantologie ist das sogenannte MIMI-Verfahren. Die Abkürzung steht für Minimal Invasive Method of Implantation. Das Konzept verfolgt das Ziel, Implantate bei geeigneten Voraussetzungen möglichst gewebeschonend einzusetzen. Dabei soll eine umfangreiche chirurgische Freilegung des Kieferknochens nach Möglichkeit vermieden werden. Für Patienten kann insbesondere interessant sein, dass sich der operative Aufwand dadurch in geeigneten Fällen reduzieren lässt. Ob das MIMI-Verfahren eingesetzt werden kann, lässt sich jedoch nicht pauschal anhand der Zahnlücke entscheiden. Vorher muss geklärt werden, ob Knochenangebot und anatomische Situation ein solches Vorgehen erlauben.
Ist bei der minimalinvasiven Implantologie kein Knochenaufbau notwendig?
Das lässt sich nicht generell versprechen. Für ein Implantat muss ausreichend geeigneter Kieferknochen vorhanden sein, um eine stabile Verankerung zu ermöglichen. Nach einem Zahnverlust kann sich der Knochen im Bereich der Lücke jedoch mit der Zeit zurückbilden. Wie viel Knochen für die geplante Implantation zur Verfügung steht und ob zusätzliche Maßnahmen notwendig werden, muss individuell beurteilt werden. Ein reduziertes Knochenangebot bedeutet dabei nicht automatisch, dass ein Implantat ausgeschlossen ist. Ebenso wenig bedeutet „minimalinvasiv“, dass grundsätzlich auf jede Form zusätzlicher chirurgischer Maßnahmen verzichtet werden kann. Gerade hier ist eine genaue Diagnostik entscheidend.
Für wen kommen minimalinvasive Zahnimplantate infrage?
Ob eine minimalinvasive Implantation möglich ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Neben dem Knochenangebot spielen beispielsweise die Position der Zahnlücke, die Beschaffenheit des Zahnfleisches und die Lage benachbarter anatomischer Strukturen eine Rolle. Auch die allgemeine Mundgesundheit ist wichtig. Entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates sollten beispielsweise vor einer Implantation entsprechend berücksichtigt beziehungsweise behandelt werden. Informationen dazu finden Sie in unserem Bereich Parodontologie. Darüber hinaus können allgemeine Erkrankungen, Medikamente oder das Rauchverhalten Einfluss auf die Behandlungsplanung und Heilung haben. Eine seriöse Aussage darüber, ob eine minimalinvasive Implantation infrage kommt, ist daher erst nach einer individuellen Untersuchung möglich.
Kann ein Zahn direkt nach der Entfernung durch ein Implantat ersetzt werden?
Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Implantat unmittelbar oder zeitnah nach der Entfernung eines Zahnes eingesetzt werden. Ob dies möglich und sinnvoll ist, hängt jedoch stark von der jeweiligen Ausgangssituation ab. Unter anderem müssen Knochenangebot, Entzündungssituation und die Möglichkeit einer ausreichenden Primärstabilität berücksichtigt werden. Eine möglichst kurze Behandlungszeit ist daher nicht automatisch das wichtigste Ziel. Im Vordergrund sollte eine Versorgung stehen, die zur biologischen und anatomischen Situation des Patienten passt.
Implantat oder Brücke: Muss überhaupt implantiert werden?
Auch wenn moderne Implantationsverfahren schonender geworden sind, ist ein Implantat nicht für jede Zahnlücke automatisch die richtige Versorgung. Eine Alternative kann beispielsweise eine Zahnbrücke sein. Dabei wird der fehlende Zahn durch ein Brückenglied ersetzt, das von benachbarten Zähnen getragen wird. Bei einer klassischen Brücke müssen diese Zähne dafür in der Regel beschliffen werden. Ein Einzelzahnimplantat hat dagegen den Vorteil, dass die Nachbarzähne normalerweise nicht als Pfeiler präpariert werden müssen. Welche Lösung im individuellen Fall infrage kommt, hängt stark vom Zustand der angrenzenden Zähne und der gesamten Gebisssituation ab. Die verschiedenen Möglichkeiten haben wir ausführlich in unserem Beitrag „Zahnimplantat oder Brücke, welche Möglichkeiten gibt es bei einer Zahnlücke?“ gegenübergestellt. Auch unterschiedliche Formen von Zahnersatz können abhängig von Anzahl und Position fehlender Zähne eine Rolle spielen.
Was passiert nach dem Einsetzen des Implantats?
Nach der Implantation beginnt die Einheilphase. Dabei soll sich das Implantat stabil mit dem umgebenden Knochen verbinden. Wie lange diese Phase dauert, lässt sich nicht pauschal festlegen. Unter anderem spielen die individuelle Ausgangssituation, Implantatposition und Knochenqualität eine Rolle. Anschließend kann das Implantat mit dem geplanten Zahnersatz versorgt werden. Auch danach bleibt die Pflege entscheidend. Ein Implantat kann zwar keine Karies bekommen, das umliegende Gewebe kann sich jedoch entzünden. Eine gründliche häusliche Mundhygiene, regelmäßige Kontrollen und eine individuell abgestimmte Prophylaxe tragen deshalb zum langfristigen Erhalt der Versorgung bei.
Möglichst kleiner Eingriff – aber nicht um jeden Preis
Minimalinvasive Implantologie verfolgt einen sinnvollen Grundgedanken: so viel Eingriff wie nötig und so wenig Belastung des Gewebes wie möglich. Für manche Patienten lässt sich ein Zahnimplantat dadurch mit einem kleineren chirurgischen Zugang einsetzen. Voraussetzung ist jedoch, dass Knochen, Zahnfleisch und anatomische Situation dieses Vorgehen erlauben. In unserer Zahnarztpraxis in Chemnitz betrachten wir deshalb zunächst die individuelle Ausgangssituation. Erst danach lässt sich entscheiden, ob ein minimalinvasives Verfahren wie die MIMI-Implantologie geeignet ist oder ob ein anderes implantologisches Vorgehen die besseren Voraussetzungen bietet. Nicht die möglichst kleine Operation allein, sondern eine sichere und langfristig passende Versorgung steht dabei im Mittelpunkt.
Ob Fragen zu unserem Team oder zu unseren Leistungen, wir beraten Sie gerne persönlich in unserer Praxis.
Julia Kreutzer
Eisenweg 20
09123 Chemnitz
Tel.: 0371 241 012